AngeboteÜbersicht
Menümobile menu

Neuer Ausbildungskurs „Ehrenamtlicher Besuchsdienst“

Karin WeberPastoralreferent Steffen Knapp, Christa Diederich und Pfarrerin Ulrike Windschmitt (von links).

Ehrenamtliche der Klinikseelsorge haben ein offenes Ohr für Patienten - Im September beginnt der neue Ausbildungskurs „Ehrenamtlicher Besuchsdienst“ der evangelischen und katholischen Klinikseelsorge in der Universitätsmedizin Mainz, Anmeldungen sind bis Ende August möglich.

„Brückenbauer. Ja, wir sind Brückenbauer“, sagt Ulrike Windschmitt. Die evangelische Pfarrerin arbeitet als Klinikseelsorgerin in der Mainzer Universitätsmedizin. Sie erzählt von offenen Begegnungen, empathischen Gesprächen und aktivem Zuhören in seelsorgerischer Begleitung. Jede Zuwendung, jede wertschätzende Begegnung, die ein Patient – unabhängig von Konfession und Religion – erfahre, sei wertvoll.

Unterstützt wird das ökumenische Team der hauptamtlich Seelsorgenden durch speziell für die Klinikseelsorge geschulte Ehrenamtliche. Es sind Personen, die mit positiver Freude auf andere zugehen, dabei offenes Interesse an Menschen in verschiedenen Lebensphasen zeigen. Seit 2012 werden diese nach einem gemeinsam erarbeiteten Curriculum ausgebildet. Der nächste Kurs startet im September, verantworten wird ihn Pastoralreferent Steffen Knapp gemeinsam mit Pastoralreferentin Heike Knögel.

Einjährige Ausbildung beinhaltet Hospitationsphase

Etwa ein Jahr dauert die Ausbildung im ehrenamtlichen Besuchsdienst. Die 90 Unterrichtseinheiten gliedern sich in sechs Seminartage und neun ergänzende Kursabende. Nach einem halben Jahr, mit Beginn der Hospitationsphase, wird 14-tägig eine Supervision angeboten. „Kommunikationstraining, Sinn- und Glaubensfragen, Rituale, spirituelle Kompetenz und Gebet sind einige der Kursthemen“, erläutert die Pfarrerin. Geschult werde zudem, sich sicher in der Institution Klinik zu bewegen und zugleich präsent und sichtbar für die Menschen.

Mit der Beauftragung im Rahmen eines Gottesdienstes und der Verpflichtung für ein Jahr endet die Ausbildung. Danach sind die Ehrenamtlichen auf fest abgesprochenen Stationen tätig. Jede Station wird von einem hauptamtlichen Seelsorger oder Seelsorgerin mitbetreut, diese sind gleichzeitig Ansprechpartner für die dort ehrenamtlich Engagierten.

Anforderungen im ehrenamtlichen Besuchsdienst

„Noch vor der Ausbildung laden wir ein zum Vorgespräch, um zu hören, weshalb sich die Person auf den Weg in dieses Ehrenamt macht“, informiert Pastoralreferent Steffen Knapp. Eine gewisse Kontinuität im Amt sollte gewährleistet sein, denn in der Regel sei man einmal pro Woche etwa drei Stunden auf der Station. Oft werde die seelsorgerische Begleitung aus christlicher Motivation heraus angestrebt, weiß Steffen Knapp. Die Zugehörigkeit zu einer christlichen Gemeinschaft, die der ACK angehört, sollte bestehen.

Zudem erfordere das Amt einen gewissen Mut für „Learning by Doing“. Diese beginne bereits in der Hospitationsphase, macht der Seelsorger deutlich. Schließlich lasse sich der Besuchsdienst permanent auf persönliche Krisen ein und komme auch mit dramatischen Lebensläufen in Berührung, für die es kein festes Drehbuch gebe. Gut sei es, offen zu sein für emotionales Erleben und Grenzerfahrung, für Krankheit und Neuorientierung, Leben und Sterben, Hoffnung und Ohnmacht. Doch: „Keiner muss mit dem Erlebten alleine bleiben. Die Kursleiter stehen bei Bedarf kurzfristig für Gespräche zur Verfügung, Supervision wird gewährleistet“, verdeutlicht Ulrike Windschmitt. Ergänzend werden Studientage zu unterschiedlichen Themen angeboten wie beispielsweise Angst, Sterben, Aggression oder ablehnende Reaktionen, sodass sich alle Ehrenamtlichen kontinuierlich weiterbilden können.

Gesprächsbedarf der Patienten wahrgenommen

Momentan engagieren sich 13 Personen, vor der Pandemie verstärkten etwa doppelt so viele das Seelsorgeteam. Sie sind evangelischen, katholischen und methodistischen Glaubens. Die Konfession, sagt Pfarrerin Ulrike Windschmitt, spiele jedoch kaum eine Rolle bei Patientenbesuchen. Wichtiger sei es, Zeit zu haben, um sich ganz dem Patienten zuzuwenden und empathisch zuzuhören. Das bestätigt Christa Diederich. Sie beschäftigt sich gerne mit Menschen, hat ihre Ausbildung im vergangenen Jahr absolviert und wurde mit ihren Kurskolleginnen Ende November in ihr Amt eingeführt. Vor ihrer Verrentung war sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Klinikum tätig. Dort habe sie neben der guten ärztlichen und pflegerischen Versorgung einen Gesprächsbedarf der Patienten wahrgenommen, der nicht erfüllt werden konnte. „Ich bin kirchlich fest verwurzelt und es ist mir ein Bedürfnis, die positiven Seiten des Glaubens weiterzugeben: Zuversicht und Hoffnung“, sagt Christa Diederich zu ihrer Motivation. Sie spricht davon, dass sich die Gruppe während ihrer Ausbildung auch stark mit dem eigenen Glauben auseinandergesetzt habe. Viele Teilnehmende des letzten Ausbildungsjahrgangs waren Frauen nach der Familienphase, das berufliche Spektrum war breit gefächert von der Ernährungsberaterin über eine Lehrkraft und eine IT-Expertin bis zur Theologiestudentin.

Ehrenamtliche Seelsorgende unterliegen der Schweigepflicht

Seit Dezember ist Christa Diederich regelmäßig auf „ihrer“ Station. Sie hat Zeit für die Patienten, hört ihnen zu, teilt Leid und Verzweiflung, aber auch Freude. Oft sei sie erstaunt, wie offen Patienten ihr gegenüber seien, erzählt die Rentnerin. Und erklärt, auch der unentgeltlich tätige Besuchsdienst gehe achtsam und sehr sensibel mit persönlichen Angelegenheiten um und unterliege der Schweigepflicht.

„Neunzig Prozent der Patienten sind froh und dankbar, wenn wir zu ihnen kommen“, sagt die Ehrenamtliche. Der Bedarf ist groß, denn auf den über 80 Stationen der Universitätsmedizin liegen zwischen 1600 und 1700 Patienten. Gebe es nach einem Krankenbesuch, der etwa 10 bis 30 Minuten dauert, weiteren Gesprächsbedarf, informiere sie das Seelsorgeteam. Bei Bedarf werde auch an andere Religionsgemeinschaften oder an Muttersprachler vermittelt. Christa Diederich strahlt: „Man kriegt so viel zurück. Oft frage ich mich: Was hätte ich nur verpasst, wenn ich diese Patienten nicht kennengelernt hätte?“

Informationen zum neuen Ausbildungskurs „Ehrenamtlicher Besuchsdienst in der Universitätsmedizin Mainz“ 2022:

Der Kurs startet am 10. September 2022. Er beinhaltet sechs Seminartage (Samstag 09.00 - 16.00 Uhr) und neun Kursabende (Mittwoch 17.00 - 20.00 Uhr). Anmeldung bis Ende August. . Die Kosten für den Ausbildungskurs betragen 95,- Euro.
Weitere Informationen: Klinikseelsorge an der Universitätsmedizin Mainz, Katholisches Pfarramt St. Rochus, Langenbeckstraße 1, Telefon: 06131 – 17 72 20

 

Foto:

Pastoralreferent Steffen Knapp, Christa Diederich und Pfarrerin Ulrike Windschmitt (von links).

Diese Seite:Download PDFDrucken

to top