Ein Vierteljahrhundert Miteinander und Glaube
Juliane Diel
26.01.2026
jdiel
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Seinen Entschluss, Pfarrer zu werden, fasste Nose während seines Zivildienstes auf Sylt. Dort reifte der Wunsch, den Glauben nicht nur privat zu leben, sondern beruflich weiterzugeben. Er studierte Evangelische Theologie in Mainz und Erlangen und begann seinen Dienst als Pfarrvikar im Westerwald. Gemeinsam mit seiner Frau lebte er mehrere Jahre in Kommunitäten im In- und Ausland. Die Frage, wie Christinnen und Christen ihren Glauben nicht nur im Gottesdienst, sondern im Alltag leben, begleitet ihn seit Studienzeiten.
Seine Verbindung zu Mainz-Gonsenheim reicht weit zurück: Als Kind und später als Student lebte er hier, bevor er mit seiner Frau und vier Kindern dauerhaft in die Gemeinde zurückkehrte. Die Stellenausschreibung vor 25 Jahren sprach ihn sofort an: der klare Fokus auf den Gottesdienst als Zentrum der Gemeinde, die lebendige Sprache und die Möglichkeit zur Teamarbeit. „Der Gottesdienst stand hier im Mittelpunkt – nicht als Veranstaltung, sondern als gemeinsames Feiern“, sagt Nose. Diese Haltung prägte sein Wirken bis zuletzt.
Die Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen, Haupt- und Ehrenamtlichen sowie dem Kirchenvorstand beschreibt Nose als bereichernd: „Wir haben wirklich miteinander gearbeitet - auch in Krisen.“ Kirche verstand er als Raum, in dem viele ihren Beitrag leisten können: „Diese Freiheit, sich einzubringen oder auch Abstand zu nehmen, ist eine große Stärke unserer Kirche. “
Dieses Verständnis spiegelte sich auch in seinem Engagement im Stadtteiltreff Gonsenheim wider. Der Treff bietet Menschen verschiedener Generationen und Lebenslagen einen offenen Begegnungsort mit Beratung, gemeinschaftlichen Aktivitäten, kulturellen Veranstaltungen und sozialen Projekten. Nose arbeitete dort viele Jahre aktiv mit und sah den Treff als gelebte Nächstenliebe im Alltag: niedrigschwellig, zugewandt und offen. „Kirche findet nicht nur im Gottesdienst statt“, betont er. „Sie zeigt sich dort, wo Menschen einander begegnen und füreinander da sind. “
Zu den prägenden Momenten seiner Zeit in Gonsenheim zählt Nose die Entwicklung des Gemeindeleitbilds und die Visitation, die die Vielfalt des Engagements offenbarte. Besonders beeindruckte ihn, „wie viele Menschen hier auf ganz unterschiedliche Weise Heimat in der Gemeinde gefunden haben“.
Wertvoll war für ihn der langjährige Prozess zur barrierefreien Umgestaltung der Kirche. „Zu sehen, wie Fachleute und Ehrenamtliche gemeinsam in Ruhe das Beste suchten, war ein starkes Zeichen für die Kraft des Miteinanders. “ Vieles wurde auch durch die Stiftung Evangelisches Gonsenheim möglich, für deren Unterstützung Nose dankbar ist – ebenso wie für den Aufbau der Jugendarbeit: „Jugendliche wollen nicht betreut werden, sie wollen mitgestalten. Und man spürt sofort, was entsteht, wenn man ihnen Verantwortung zutraut. “
Seinen Glauben beschreibt Nose als Erfahrung des Getragenseins: „Uns ist im Leben vieles zugefallen – oft genau zur rechten Zeit. “ Mit dem Ruhestand beginnt für ihn ein neuer Lebensabschnitt – mit Zeit, E-Gitarre zu lernen, neue Interessen zu entdecken und alte wieder aufzunehmen. <s></s>
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