Er wurde zu einem magischen Ort: ein historischer Doppeldeckerbus, der zu einem mobilen Café umgebaut wurde. Damit verwirklichen sich Michel Malcin und Helene Volkensfeld einen Traum, an dem sie viele teilhaben lassen möchten. Die Cafédrale in Mainz-Drais, wo sie zu Gast waren, bot einen passenden Rahmen. Der Begegnungsort steht selbst für mutige Anfänge und gelebte Gastfreundschaft. Auch vor und nach der Lesung kamen viele Gäste hier am Buffet aus geretteten Lebensmitteln miteinander ins Gespräch. Organisiert wurde die Veranstaltung von Miriam Heil, Fachstelle Gesellschaftliche Verantwortung und Bildung im Dekanat. Sie regte auch dazu an sich zu fragen: Was brauche ich, damit es mir gut geht? Was belastet mich und möglicherweise auch andere oder die Umwelt? Und was will und könnte ich verändern?
Michel Malcins spannende Schilderungen von seinem Café im Bus griffen diese Gedanken auf. Er beschrieb seine Vision von einem Raum, in dem sich Menschen unabhängig von Herkunft oder Glauben willkommen fühlen. Bewusst soll es bei diesen Begegnungen darum gehen, über das Leben nachzudenken, erklärte er. Statt Antworten zu geben, sieht er seine Rolle eher darin anderen Fragen zu stellen und zuzuhören. Authentisch und anschaulich berichtete er von seinem Lebensweg: Jahrgang 1979, war Michel Malcin 16 Jahre evangelisch-freikirchlicher Pastor.
Offen sprach der Familienvater über Burnout und Depression, Scheidung und Neuausrichtung. Mutig hatte er sein Vorhaben in die Tat umgesetzt, den Bus zum Café „Doppellecker“ umzubauen, wobei es einige Schwierigkeiten zu meistern galt. Unterstützt wurde er auf vielfältige Weise, etwa von seinem guten Freund Alex, dem er seinen letzten Dienst als Pastor widmete. Dass im Berliner Bus ein altes Schild lag mit der Aufschrift „Alexanderplatz“, das konnte kein Zufall sein, beschrieb er und berichtete von weiteren bewegenden Momenten.
Unterwegs gab es viele Situationen, die sich glücklich fügten, auch die Station am Rheinufer in Mainz zu Pfingsten 2023. Dann stieg Helene Volkensfeld ein, verliebte sich und entschied sich mitzukommen. Nach 20 Jahren als Grundschullehrerin habe sie sich erschöpft gefühlt, schaute sie zurück und sorgte für Staunen, als sie aufzählte, was sie binnen kurzer Zeit veränderte, von der Beurlaubung vom Schuldienst bis zum Zusammenleben mit Michel im Bus. Gemeinsam waren sie unterwegs, unter anderem entlang des Jakobswegs nach Santiago de Compostela.
Mehr von der abenteuerlichen Reise erzählen sie im Buch „Abgefahren“, auf das sie mit der Lesung in Mainz die Neugier weckten. Mit ihren Geschichten von Schönem und Schweren, von unerwarteter Hilfe und Dankbarkeit machen sie auch Mut, der eigenen Sehnsucht zu folgen.