Dass sie einmal Pfarrerin werden würde, war lange nicht abzusehen. Als Jugendliche langweilte Schu der Konfirmandenunterricht. Erst eine gemeinsam mit einer Freundin gehaltene Predigt im Abi-Gottesdienst brachte den Gedanken überhaupt ins Spiel – zunächst eher als Scherz.
Nach dem Abitur ging Schu mit der Adolf-Kolping-Stiftung nach Ghana. Die lebendigen Gottesdienste und die Begegnungen mit anderen Kulturen und Religionen faszinierten sie. Zurück in Deutschland studierte sie zunächst Kulturwissenschaften mit Schwerpunkt Religion, später Lehramt in Mainz. Doch so richtig zufrieden war sie nicht. Schu entschied sich, zunächst aus purem Interesse Volltheologie zu studieren. „Mit wissenschaftlicher Brille auf Dogmen, Schriften und Traditionen zu blicken, faszinierte mich“, erzählt sie. Sie wollte in die Urtexte eintauchen, Fragen stellen und verstehen, woher die Dinge kommen. Aus einem Umweg wurde ein Weg. Aus dem Umweg wurde schließlich ihr Beruf.
Ihr Vikariat absolvierte Schu in Gonsenheim – unter besonderen Bedingungen: mitten in der Corona-Zeit. Gottesdienste wurden telefonisch gefeiert, vieles musste neu ausprobiert werden. Ihr Lehrpfarrer Andreas Nose wurde für sie zu einem wichtigen Wegbegleiter. Spätestens nach dem Vikariat war für Schu klar: „Ich möchte auf jeden Fall Pfarrerin werden.“ Besonders die Arbeit mit Jugendlichen und die Begleitung von Menschen an den Schwellen ihres Lebens hatten es ihr angetan.
Im anschließenden Probedienst in der Gemeinde TRIANGELIS im Rheingau wurde sie ins kalte Wasser geworfen. Eine Kollegin fiel kurz nach ihrem Dienstantritt für längere Zeit aus, und Schu musste als junge Pfarrerin viel Verantwortung übernehmen. „Das war tough, aber auch sehr schön“, blickt sie zurück. Sie baute ein großes Team von Ehrenamtlichen auf, feierte ihre ersten Konfirmationen und erlebte Gottesdienste mit Hunderten Menschen
Besonders gerne erinnert sie sich an kreative Aktionen außerhalb der Kirchenmauern: Gebete am Grab am Ewigkeitssonntag, Segensplätzchen auf dem Weihnachtsmarkt oder „Hoffnung aufs Brot“ auf dem Wochenmarkt. Kirche dort, wo Menschen sind – genau das ist eine Erfahrung, die Schu auch nach Gonsenheim mitbringt.
Jetzt sitzt sie in Gonsenheim wieder mit 30 Konfirmandinnen und Konfirmanden zusammen. Und das lässt ihr Herz höherschlagen. „Mein Herz schlägt für die Jugendarbeit“, sagt sie. Dabei hat Schu eine klare Haltung: „Die Jugend ist die Gegenwart der Kirche.“ Sie möchte Jugendliche nicht mit einem fertigen Programm „bespielen“, sondern ihnen zuhören: Was beschäftigt sie? Welche Fragen und Zweifel haben sie? Was wollen sie von Kirche?
Auch für die Kirche insgesamt wünscht sie sich mehr Mut, nach draußen zu gehen: „Ich glaub, Kirche kann sich zukunftsfähig aufstellen, indem sie rausgeht, indem sie sich herausrufen und sich herausfordern lässt.“
Das passt zu einem weiteren Anliegen der neuen Gonsenheimer Pfarrerin: Sie möchte ansprechbar sein. Nicht gehetzt von einem Termin zum nächsten, nicht ständig mit der nächsten Strukturdebatte beschäftigt. Menschen sollen das Gefühl haben: Da ist jemand, zu dem ich kommen kann. Auch ungeplant.
Vielleicht erklärt sich daraus auch, was ihr der Glaube persönlich bedeutet. Schu beschreibt ihn als „eine Unterbrechung aus dem Getriebensein“. Taizé-Lieder helfen ihr dabei. Taizé ist für sie ein besonderer Kraftort – ein Ort mit Kerzen, Musik, Stille und Menschen aus aller Welt. „Den Mund nur zu öffnen zum Singen“, sagt sie, sei manchmal genau das Richtige, „Ich wünsche mir eine Kirche, die zuhört statt immer zu reden.“
Für Ausgleich sorgen außerdem Bewegung und Natur. Schu läuft gerne im Gonsenheimer Wald und schwimmt möglichst täglich ihre Bahnen. Und dann ist da noch der Garten, den sie jetzt zum ersten Mal seit ihrem Auszug von zu Hause hat. Zwischen Terminen Oleander umtopfen, Erde an den Händen spüren – auch das gehört für sie zum Ankommen