Freizeit in der Stadt der Kinder

veröffentlicht 21.10.2026, Dekanat Mainz

In der Herbstferienfreizeit „Kiddie-City“ konnten Kinder lernen selbst Verantwortung zu übernehmen, vielfältige Talente entdecken und ihre eigene kleine Stadt mitgestalten.

Nach dem Frühstück ging es an die Universität, im Laufe des Tages warteten verschiedene Jobs und eine Versammlung, abends Lieder am Lagerfeuer: Bei der Herbstfreizeit des evangelischen Dekanats Mainz auf dem Donnerskopf bei Butzbach wurde aus einem partizipativen Konzept ein lebendiges Stadtprojekt, in dem Kinder vieles ausprobieren und mitentscheiden konnten.

„Gestern habe ich an der Uni meinen Bachelor gemacht“, erzählte ein Mädchen stolz. Auch ein spannender Ausflug zum Bauernhof gehörte dazu, mit Kühen und Hühnern. Später arbeitete sie begeistert bei der „Müllabfuhr“ mit, konnte in der Küche helfen und sich weiteren Aufgabe widmen. Unter anderem wurden mit Holzbausteinen Modelle gefertigt für originelle Häuser, Einkaufszentren und Parks mit Palmen. Ihrer Fantasie konnten die kleinen Baumeisterinnen und Baumeister dabei freien Lauf lassen und dann stolz präsentieren, was sie geschaffen hatten.

„Kiddie-City“ hieß das Ferienangebot des evangelischen Stadtjugendpfarramts Mainz, das in Kooperation mit dem Bereich Arbeit mit Kindern und Jugendlichen der evangelischen Kirche in Bessungen im Pfadfinderzentrum bei Butzbach stattfand. Unter der Leitung von Marga Kadel, erfahrene Referentin im evangelischen Stadtjugendpfarramt Mainz, gestalteten mehr als 40 Mädchen und Jungs zwischen sechs und zwölf Jahren fünf Tage lang ihre eigene Stadt. Sie konnten einige Kurse belegen, Berufe kennenlernen und eigene Geschäftsideen entwickeln. Dahinter stand die Idee, ihnen spielerisch Demokratie näherzubringen und ihnen zu zeigen, wie sie Verantwortung übernehmen, mit Geld umgehen und die Gesellschaft mitgestalten können.

Mehr als 20 Haupt- und Ehrenamtliche, vor allem junge Erwachsene, begleiteten die Freizeit. Sie brachten vielfältige Talente in ihre Angebote ein, ob Kenntnisse aus dem Studium oder Grundlagen in erster Hilfe. Auch wer selbst als Kind bei Freizeiten gern dabei war, ist nun oft engagiert als Jugendleiterin und Jugendleiter oder konnte vor Ort im Küchenteam mithelfen.

In der Arbeitsagentur warteten „Stellenausschreibungen“ auf die Kinder, mit Tätigkeiten, die im Tagesablauf der Gruppe notwendig waren und mit weiteren Gelegenheiten zum Dazulernen. Meist dauerte ein Kurs oder „Arbeits-Einsatz“ eine Stunde, dann wurde gewechselt. Bis zu vier Stunden täglich konnten die Kinder aktiv sein und damit ihre „Taler“ verdienen. Wie im wahren Leben wurden auch „Steuern“ einbehalten, etwa um Frühstück und Abendessen zu finanzieren. Beim übrigen Geld konnten die Kinder selbst entscheiden, wofür sie es ausgeben wollten. Sehr beliebt waren auch Jobs in der „Medienzentrale“, um zu fotografieren und zu filmen wie echte Reporterinnen und Reporter. Kameras und iPads standen dafür bereit, die eigenen Handys blieben während der Freizeit bewusst zu Hause. Kleine Berichte und Interviews wurden dann zu Kurzfilmen geschnitten, mit amüsanter Musik und Animationen unterlegt und präsentiert. 

Ein Forum dafür bot die tägliche „Bürgerversammlung“. Eröffnet wurde sie mit einer Hymne, deren Botschaft das Zusammenhalten und die gemeinsame Zukunft betonte. Es wurde gelacht und Polonaise durch den Saal getanzt, doch auch ruhig zugehört und sachlich diskutiert. Zu konkreten Anliegen konnten die Kinder ihre Vorschläge einbringen: Wie möchten wir geweckt werden? Wann soll es Frühstück geben? Und welche Regeln sollten gelten, wenn andere zu laut sind und Klopfstreiche spielen? Das Zusammenleben in der Kinderstadt konnte dadurch noch angenehmer gestaltet werden. Auch originelle Ideen von Kindergruppen fanden Raum, etwa ein „sprechender Papagei“, den man ausleihen konnte, oder eine Disco mit toller Musik und Snacks. Zudem traf man sich zum Singen am Lagerfeuer oder zum Spieleabend im „Casino“. 

 

Wer Bürgermeisterin oder Bürgermeister werden wollte, konnte kandidieren, mit Wahlplakat, kurzer Rede, Fragerunden und Wahl. Auch dadurch wurde Demokratie unmittelbar erlebbar:  Forderungen und Anregungen können eingebracht werden, wenngleich nicht jeder Wunsch praktisch umgesetzt werden kann und Kompromisse zum gemeinsamen Entscheiden gehören.

Beeindruckt von spannenden Einblicken in die „Kiddie-City“, überreichte Jacqueline Wild von der Stiftung Evangelische Jugend eine Urkunde über die großzügige Förderung der Freizeit an die junge Bürgermeisterin und das Leitungsteam. Die finanzielle Unterstützung trug dazu bei, die Teilnahmegebühr sozial verträglich zu gestalten und das Ferienangebot allen interessierten Familien zu ermöglichen. Dies ist auch Marga Kadel wichtig, die das Konzept weiterempfehlen kann. Bedenken sollten andere Anbieter allerdings auch, wie viel Aufwand dahinter stand, mit Blick auf viele Teilnehmende, Teamer, Räume und Materialien. Auch ein Treffen vor Ort half den Haupt- und Ehrenamtlichen bei den Vorbereitungen des Programms. Die Planung gab den Rahmen vor, zugleich blieb Raum für spontane Anpassungen nach den Wünschen der Kinder.

Was sollten die Mädchen und Jungen aus dieser besondere Ferienwoche mitnehmen? Für Marga Kadel und ihr Team zählt neben schönen gemeinsamen Erlebnissen und neuen Freundschaften auch die Erfahrung „Ich habe eine Stimme. Ich darf sagen, was mir wichtig ist. Und ich kann etwas mitgestalten.“ Denn Demokratie bedeutet bekanntlich nicht, dass einer allein bestimmt oder dass es nur eine einheitliche Meinung gibt. Sie lebt davon, dass man Interessen einbringen kann, anderen zuhört und gemeinsam Entscheidungen trifft, die der Gemeinschaft dienlich sind. Erfahrungen wie diese können die Kinder dann auch später als Jugendliche und Erwachsene daran erinnern, dass Mitbestimmung wichtig ist – und dass es sich lohnt, selbst aktiv zu sein.